Gesund

mit dem Mikrobiom

Das Immunsystem

Unsere Gesundheit hängt zu einem sehr großen Teil von der Funktionsfähigkeit unseres Immunsystems ab.

Das Immunsystem erfüllt dabei eine sehr schwierige Aufgabe. Denn ohne Verzögerung muss es hundertprozentig sicher schädliche Eindringlinge erkennen und eliminieren. Jeder, der schon einmal am PC mit Freunden einen Ego-Shooter gespielt hat, weiß, wie leicht man im “friendly fire” umkommt, wenn der eigene Mitspieler Freund und Feind in der Hektik nicht unterscheiden kann und auf einen schießt.

Das darf unserem Immunsystem nicht passieren! Es muss absolut zielsicher zwischen gefährlichen Eindringlingen, freundlich gesinnten Bakterien und unseren eigenen Zellen unterscheiden. Jeder Fehler bedeutet eine gewaltige Verschlechterung der Lebensqualität für uns. Ein Beispiel für solch einen Fehler des Immunsystems, auch Autoimmunerkrankung genannt, ist Typ-1-Diabetes. Bei dieser Krankheit greift das eigene Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse an. Damit solche Fehler nicht passieren, muss das Immunsystem extrem trainiert werden.

Training für das Immunsystem

Der größte Teil des Immunsystems sitzt im Darm. Dort sorgen 80 Prozent unserer Immunzellen dafür, dass wir gesund bleiben. Denn nicht die Haut, sondern der Darm ist unsere größte Kontaktfläche zur Außenwelt. Zunächst klingt das absurd – der Darm und die Außenwelt? Doch alles, was wir verschlucken, landet im Darm. Dieser besitzt auseinandergefaltet eine Fläche, die mit 400 bis 500 Quadratmetern angegeben wird! Die Haut dagegen besitzt im Durchschnitt nur mickrige 1,7 Quadratmeter. Im Darm befinden sich 80 Prozent unserer Immunzellen.

Der Darm ist auch der Ort, an dem das lebenswichtige Training dieser Immunzellen stattfindet. Hier werden sie auf ihre spätere Funktion vorbereitet. Die Zellen werden erst dann in den Blutkreislauf entlassen, wenn sie ihr Training absolut fehlerlos absolviert haben. Unsere Darmschleimhaut hat durch die Aufnahme von Nahrung, die als Nahrungsbrei in den Darm gelangt, einen extremen Kontakt zur Umwelt.

Dadurch werden die in ihr sitzenden Immunzellen permanent mit allem konfrontiert, was von uns aufgenommen wurde. Dazu gehören nicht nur Nährstoffe, sondern auch ein bunter Mix aus nützlichen Bakterien, schädlichen Krankheitserregern und allergenen Stoffen.

Selbst die Entstehung unserer Blutgruppe geht von unserem Mikrobiom aus. In “Darm mit Charme” gibt es einen sehr spannenden Absatz darüber. Einem Neugeborenen, das noch keine nennenswerte Darmflora besitzt, könnte theoretisch jede Blutgruppe verabreicht werden. Erst mit dem Ausreifen des Mikrobioms lernen die Immunzellen, fremde Blutgruppen als feindlich zu betrachten.

Das Mikrobiom im Aufsichtsrat

Haben die Immunzellen im Darm einen Bestandteil des Nahrungsbreis als feindlich erkannt, beginnen sie, Abwehrstoffe gegen ihn zu bilden, um ihn unschädlich zu machen. Immunzellen, die auf diese Weise aktiviert wurden, werden nun über die Darmschleimhaut in die Blutbahn abgegeben und breiten sich im ganzen Körper aus, wo sie weiterhin Antikörper gegen den jeweiligen Schadstoff bilden.

Doch nicht nur von außen aufgenommene Mikroorganismen und Nährstoffe wirken auf unsere Immunzellen ein. Auch unser Mikrobiom beeinflusst diese. Denn die Mikroben sitzen sozusagen im Aufsichtsrat, der bestimmt, welche Art von Immunzellen gebildet wird und wie aggressiv oder relaxt diese auf Eindringlinge reagieren. Wenn wir also unser Immunsystem stärken möchten, können wir dies mit Hilfe von Mikrobiom-Superfood erreichen.

Diversität

Ein geflügeltes Wort, nicht nur in großen Firmen, die sich um ein breiteres Spektrum an Mitarbeitern bemühen. Diversität (Vielfältigkeit) ist auch das Hauptkriterium eines gesunden Mikrobioms. Das Gegenteil eines gesunden Mikrobioms ist die intestinale Dysbiose – ein gestörtes Mikrobiom. Mit der Dysbiose werden seit der Entdeckung des Mikrobioms immer mehr Krankheiten in Verbindung gebracht. Die Bandbreite reicht von chronischen Erkrankungen des Darms über allgemeine Stoffwechselstörungen bis hin zu psychischen Krankheiten.

Wie überall in der Natur ist die Artenvielfalt für das reibungslose Funktionieren eines Ökosystems entscheidend. Wir Bewohner der westlichen Welt haben jedoch ein Problem: Die Diversität unseres Mikrobioms hat offenbar im Lauf der letzten Jahrzehnte stark abgenommen. Der zu häufige Einsatz von Antibiotika, faserarme Nahrung und ein annähernd steriles Leben, beginnend mit der Geburt per Kaiserschnitt, haben unser Mikrobiom stark geschwächt. Der Preis, den wir dafür bezahlen, ist hoch: Zivilisationskrankheiten, entzündliche Erkrankungen des Darms und Allergien nehmen immer mehr zu.

Der direkte Zusammenhang zwischen dem Zustand des Mikrobioms und unserer Gesundheit gilt mittlerweile als bewiesen. Kniffelig wird es bei den genauen Zusammenhängen und dem Henne-Ei-Problem: Ist die Krankheit der Verursacher der Dysbiose oder löst die Dysbiose erst die Krankheit aus?

Rundum-sorglos-Paket

Die intakte Darmschleimhaut ist einer der essentiellen Bausteine für unsere Gesundheit und Sitz der meisten Immunzellen. Sie besteht aus einem dichten Verbund von Epithelzellen und der darüberliegenden Schleimschicht. Letzteres klingt zwar ziemlich eklig, sorgt aber zusammen mit dem Wall aus Epithelzellen dafür, dass der Inhalt des Darms eingekapselt ist und nicht in die Bauchhöhle oder in den Blutkreislauf gelangen kann – außer durch kontrollierte Transformation in verwertbare Nährstoffe. Bevor dies passiert, muss der Nahrungsbrei an unserem Mikrobiom und den Immunzellen vorbei.

Das Mikrobiom bewohnt den Dickdarm und verwertet unverdauliche Nahrungsreste, die unser eigener Körper nicht auflösen konnte (Ballaststoffe). Was für uns selbst mehr oder weniger Abfall ist und vom Körper entsorgt wird, ist gleichzeitig lebenswichtiges Futter für unsere Darmbakterien. Ballaststoffe haben also einen großen Nutzen: Je besser wir unser Mikrobiom mit ihnen versorgen, desto dichter und stabiler kann es den Darm besiedeln.

Unsere Mikroben besiedeln den Darm jedoch nicht nur, sondern sie sind auch sehr daran interessiert, ihre Wohngegend zu pflegen. Daher produzieren sie Fettsäuren. So zum Beispiel Butansäure, auch Buttersäure genannt, welche dem Darmepithel als Energiequelle dient und die Verbindungen zwischen den Epithelzellen (Tight junctions) stärkt. Zusätzlich wirkt Buttersäure Entzündungen entgegen. In einer kleinen Studie zur Darmerkrankung Morbus-Crohn wurde bei den Patienten eine generelle Verminderung der Vielfalt der Darmbakterien festgestellt. Der Anteil an Buttersäure im Darm ging mit dem Krankheitsgrad einher – je niedriger der Buttersäureanteil, desto schlimmer der Grad der Krankheit.

Allein durch das “Platz besetzen” im Darm wehrt unser Mikrobiom bereits unerwünschte Eindringlinge ab, die das Bad in der Magensäure überlebt haben. Wenn das Fußballstadion zu einhundert Prozent mit friedlichen Fans besetzt ist, gibt es für Hooligans keine Eintrittskarten mehr. Die verfügbaren Nährstoffe werden vom übermächtigen Mikrobiom aufgenommen, so dass den wenigen Überlebenden unter den Invasoren keine Nahrung mehr zur Verfügung steht. Um ganz sicher zu gehen, bilden unsere Bakterien zusätzlich noch Stoffe, welche diese Krankheitserreger unschädlich machen.

Unsere Mikroben unterstützen uns aber noch weiter. Die für uns unverdaulichen Ballaststoffe verstoffwechseln sie zu lebenswichtigen Vitaminen und Nährstoffen. Unsere eigene Vitaminversorgung hängt also nicht allein davon ab, wie viele Vitamine wir mit der Nahrung aufnehmen. Einen Teil dieser Versorgung stellt uns tatsächlich unser Mikrobiom zur Verfügung.

Dieses rundum-sorglos-Paket erhalten wir mit nur wenig Aufwand bei der täglichen Pflege unseres Mikrobioms.

Der Darm

Das zweite Gehirn

Schutz vor Asthma

Durch das Mikrobiom

Die Leber

Multitalent unter den Organen

Aminosäuren

Botschaften vom Mikrobiom?

Asthma Bronchiale

Ernstzunehmende Krankheit

Schwangerschaft

Stress schadet dem Kind