Glücklich

mit dem Mikrobiom

Haben unsere Darmbakterien Einfluss auf unsere Emotionen?

Dass das Gehirn sowohl unser Denken als auch unsere Emotionen beherrscht, ist uns bekannt. Die Kommunikation über ein komplexes System aus Milliarden von Nervenzellen steuert unsere Körperfunktionen. Die Funktion des Gehirns kann heutzutage mit Hilfe der Tomographie beobachtet werden. Die Ärzte können sogar direkt an der Aktivität der einzelnen Gehirnareale ablesen, ob der Patient glücklich ist.

Das Gehirn übernimmt all diese Aufgaben jedoch nicht allein. Es ist über den Vagusnerv direkt mit dem Darm verbunden, der Heimat des intestinalen Mikrobioms.

Zwischen diesen drei Parteien findet eine rege Kommunikation in alle Richtungen statt. Funktioniert diese Kommunikation nicht, hat dies schädliche Auswirkungen auf unsere gesamte Psyche und die damit verbundene physische Gesundheit. Wir alle kennen Begriffe und Phrasen wie “aus dem Bauch heraus entscheiden” oder “Ich habe kein gutes Gefühl im Bauch”. Was uns unterbewusst schon lange klar war, kann nun im Rahmen der Mikrobiomforschung tatsächlich bewiesen werden: Mikrobiom und Darm haben einen großen Einfluss auf unser Denken und unsere Emotionen. Also auch darauf, ob wir glücklich sind.

Kommunikation zwischen Darm und Gehirn

Prof. Dr. Emeran Mayer beschreibt in seinem Buch “Das zweite Gehirn” diese Kommunikation folgendermaßen:

“Darm und Gehirn sind durch wechselseitige Signalwege eng miteinander verbunden. Dazu gehören Nerven, Hormone und Entzündungsmoleküle. Eine Fülle von Informationen, die der Darm aussendet, erreicht das Gehirn (sensorische Signale bzw. Empfindungen des Darms). Das Gehirn schickt Signale an den Darm, um seine Funktion zu regulieren (Reaktionen des Darms). Die engen Wechselwirkungen zwischen diesen Signalwegen spielen eine wichtige Rolle sowohl bei der Entstehung von Emotionen als auch für die normale Funktion eines Verdauungstrakts.”

Beispielsweise sendet der Darm Signale wie “Übelkeit” an das Gehirn. Das Gehirn nutzt zur Verarbeitung von Informationen eine geschickte Methode. Wiederkehrende Situationen prägt es sich ein und ist daher in der Lage, schneller auf sie zu reagieren. Man kann sich das Ganze in etwa so vorstellen wie Trampelpfade auf einer Wiese. Je öfter man den gleichen Weg benutzt, desto leichter findet man ihn wieder und desto schneller kommt man vorwärts. Dieses Einprägen erklärt, warum uns nach einer übel endenden Nacht im Zusammenhang mit großen Mengen von Whisky für eine sehr lange Zeit nicht mehr danach ist, ihn wieder zu versuchen. Schon an diesem kleinen Beispiel sieht man sehr gut, wie stark die Kommunikation aus dem Darm unser Handeln beeinflussen kann.

Dies gilt aber nicht nur für schlechte Erfahrungen. Wenn wir glücklich sind, hat dies einen positiven Einfluss auf unsere Mikroben. Im stetigen Kommunikationskreislauf sendet das Mikrobiom wiederum Glückssignale an unser Gehirn.

Suizidgefahr durch Mikroorganismen?

Ein gutes Beispiel dafür, wie winzige, in uns lebende Organismen unsere Psyche beeinflussen können, ist der Parasit Toxoplasma gondii. Er hat die Fähigkeit, Persönlichkeit und Verhalten seines Wirts auf sehr negative Weise zu beeinflussen. Es klingt ein wenig nach Science Fiction, doch auch vom Tollwuterreger ist uns bekannt, dass er seinen Träger in eine Art rasende Wut versetzt.

Toxoplasma gondii lebt vorwiegend in Katzendärmen, nutzt aber auch gern andere Wirte, falls gerade keine Katze greifbar ist. So zum Beispiel Nagetiere, die mit Katzenkot in Berührung kommen – oder auch den Menschen. Der Parasit kann in diesem Zwischenwirt bis zu fünf Jahre lang überleben und auf die nächste Katze warten.

Das Interessante an diesem Parasiten ist allerdings, wie bereits angedeutet, die Persönlichkeitsänderung, die er verursacht. Ein infiziertes Nagetier verliert urplötzlich seine natürliche Scheu vor Katzenurin. Es fühlt sich im Gegenteil sogar davon angezogen und präsentiert sich dem Jäger bereitwillig. Toxoplasma gondii hat sein Ziel erreicht, sobald der bedauernswerte Nager von der Katze verspeist wurde – er befindet sich wieder dort, wo er sich am wohlsten fühlt, im Katzendarm. Joanne Webster konnte dies in Studien mit Ratten hinreichend belegen. In eine Box mit vier verschiedenen Urinproben gesperrt, zogen die infizierten Nager eindeutig die Ecke mit dem Katzenurin vor, die sie unter normalen Umständen meiden würden.

Bisher wurde angenommen, der Erreger sei für Menschen harmlos. Die Forschungsergebnisse von Dr. Jaroslav Flegr deuten jedoch auf das Gegenteil hin. So fand er heraus, dass mit Toxoplasmose infizierte Fahrer 2,6-mal häufiger in Verkehrsunfälle verwickelt sind. Dies deutet auf eine möglicherweise riskantere Verhaltensweise hin. Seine weiteren Studien kamen zu dem Ergebnis, dass infizierte Menschen generell weniger ängstlich sind – was nicht in jeder Situation ein Vorteil ist.

Diese Angstlosigkeit oder auch Todessehnsucht wird vermutlich von mehreren Faktoren ausgelöst. Unser Immunsystem aktiviert zum Beispiel im Falle einer Infektion ein Enzym(IDO), welches den Parasiten eigentlich bekämpfen sollte. Es versucht die Invasoren durch Zerstören Ihrer Nahrungsquelle auszuhungern. Leider wird dadurch auch die Serotoninproduktion gestört. Serotoninmangel verursacht Antriebslosigkeit, Depressionen oder Angststörungen – die perfekte Ausgangslage für eine geplante oder unbewusste Selbstzerstörung.

Wenn also ein einzelner Parasit bereits solch einen großen Einfluss auf unser Verhalten hat, ist es mehr als wahrscheinlich, dass Billionen von Mikroben, die in uns leben und ständig miteinander, mit unserem Darm und unserem Gehirn kommunizieren, einen sogar noch wesentlich größeren Einfluss haben müssen.

Glückliche Kindheit

für ein gesundes Mikrobiom