Asthma Bronchiale

...eine ernstzunehmende Krankheit breitet sich aus

 

Asthma als Zivilisationskrankheit

Asthma Bronchiale ist der Medizin bereits seit 2000 Jahren bekannt. Doch es breitet sich immer mehr aus. Über zehn Prozent der Kinder und fünf Prozent der Erwachsenen leiden heutzutage darunter. Insgesamt sind zwischen 230 und 330 Millionen Menschen weltweit betroffen. Die Anzahl der Erkrankungen scheint besonders in den Jahren 2003 bis 2009 stark gestiegen zu sein. Daten des Robert-Koch Instituts zufolge stieg die Rate bei Frauen in diesem kurzen Zeitraum von 6,0 auf 10,1 Prozent, bei Männern von 5,2 auf 8,3 Prozent.

Häufigste chronische Erkrankung bei Kindern

Besonders unsere Kleinsten leiden unter diesem Anstieg. Denn Asthma ist mittlerweile die häufigste chronische Erkrankung bei Kindern in der westlichen Welt. Großbritannien, Australien, Neuseeland und die USA führen die Statistik “Asthma bei Kindern” an, doch auch in den Schwellenländern steigen die Patientenzahlen an. Wird die Krankheit nicht früh genug diagnostiziert und behandelt, kann dies Langzeitschäden an der Lunge zur Folge haben und die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen.

Die Krankheit kennt kein “gendern”, stattdessen gibt es offenbar Unterschiede zwischen den Geschlechtern. In frühen Jahren der Kindheit sind statistisch mehr Jungen betroffen, allerdings verschwindet die Krankheit auch bei gut der Hälfte der Kinder wieder. Davon profitieren dann wiederum eher Jungen als Mädchen. Im Erwachsenenalter dagegen haben Frauen eine höhere Chance, zu erkranken.

Verbindung zwischen Asthma und dem Mikrobiom

Welche Erkenntnisse aus der Forschung  helfen, die Ausbreitung von Asthma und Allergien zu verstehen? Forscher untersuchen derzeit die Verbindung zwischen Asthma und dem Mikrobiom. Die Tatsache, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufgewachsen sind, anscheinend einen besonderen Schutz vor Asthma und Allergien genießen, ließ diese These entstehen.

Was ist Asthma?

Asthma Bronchiale ist eine chronische Erkrankung der Atemwege. Die Ursache für Asthma ist eine ständige Alarmbereitschaft der unteren Atemwege, verbunden mit wiederkehrenden Entzündungen. Diese häufigen Entzündungen machen die Bronchien umso anfälliger für eine Überreaktion auf Reize wie beispielsweise Tierhaare. Die Bronchien verengen sich dabei schlagartig, ihre Schleimhäute schwellen an und produzieren zähen Schleim. Beim Versuch, trotz dieser widrigen Bedingungen weiterzuatmen, wird die Atemmuskulatur überlastet und das Ausatmen verbrauchter Luft  wird immer schwieriger. Dies löst eine äußerst beklemmende Atemnot beim Patienten aus.

Auslöser

Asthma kann in Form von allergischem oder nicht-allergischem Asthma auftreten. Während Letzteres von bakteriellen oder viralen Infekten ausgelöst wird, ist der Grund für allergisches Asthma eine Überempfindlichkeit gegenüber eigentlich harmlosen Substanzen, denen wir im Alltag begegnen, wie zum Beispiel Tierhaare oder Staub. Bekannte Auslöser für beide Arten von Asthma Bronchiale sind beispielsweise Zigarettenrauch, körperliche Anstrengung, Infektionen der Atemwege oder Luftschadstoffe.

Ausbreitung

Vor 200 Jahren gab es praktisch keine Allergien, und auch heutzutage gibt es noch Gegenden, in denen sie nicht oder kaum vorkommen – hauptsächlich in sehr ländlichen Gegenden und in Entwicklungsländern. In der westlichen Welt jedoch ist Asthma eine ernstzunehmende Krankheit, die sich mehr und mehr ausbreitet – insbesondere bei Kindern. In den letzten 20 Jahren erhöhte sich die Anzahl der Kinder mit Asthma um ein Drittel. Heuschnupfen und allergische Hauterkrankungen weisen ähnliche Statistiken auf.

Mikrobiom der Atemwege

Der Großteil des Mikrobioms befindet sich im Dickdarm. Doch auch die Lunge ist nicht keimfrei, sondern ebenfalls von Bakterien besiedelt. Auch hier ist Artenvielfalt der Schlüssel zur Gesundheit. Denn bei Kindern mit Asthma konnte eine geringere Bakterienvielfalt festgestellt werden als bei gesunden Kindern.

Zusätzlich zum intestinalen Mikrobiom, der Darmflora, könnte also auch die Besiedelung der Lunge eine Rolle spielen. Die Wissenschaft ist sich noch nicht sicher, ob es auch hier ein Zusammenspiel der verschiedenen Bakterienarten gibt. Ferner ist natürlich auch hier ungeklärt, ob der Asthmatiker aufgrund der Erkrankung ein verringertes Mikrobiom hat oder ob erst die reduzierte Artenvielfalt zu der Erkrankung führt.

Lebensweise und Synergieeffekte

Die Ergebnisse der Bauernhofstudie von Prof. Dr. Erika von Mutius deuten aber eher darauf hin, dass eine gewisse Bakterienvielfalt einen Schutz bietet, den ein verringertes Mikrobiom nicht zur Verfügung stellen kann. Sei es durch das Einatmen von Mikropartikeln im Kuhstall oder durch den Verzehr von Rohmilch. Bauernhofkinder sind offenbar besser geschützt.

Für einige spezielle Bakterienarten konnte bereits ein Nutzen im Zusammenhang mit Asthma festgestellt werden. Jede dieser Arten bewirkt diesen Schutz jedoch auf andere Weise. Das bedeutet, ein wirklich effektiver Schutz kann nur durch Synergieeffekte zwischen den einzelnen Bakterienarten zustandekommen.

D-Tryptophan gegen Asthma?

Im Helmholtz Zentrum München machten die Forscher ebenfalls eine interessante Entdeckung. Die Aminosäure D-Tryptophan, die in einer bekannten Wissensdatenbank als “eher unwichtig” bezeichnet wird, erklärt die probiotische Eigenschaft unserer Bakterien, also ihre positive Auswirkung auf unser Immunsystem. D-Aminosäuren erfüllen eine wesentliche biologische Funktion in Gram positiven Bakterien und sind besonders in fermentierten Lebensmitteln vorhanden. Unter Einsatz von D-Tryptophan ließ sich im Versuch der Schweregrad von Asthma verringern. Es liegt nahe, dass die Aminosäure eine Veränderung des Mikrobioms in Darm und Lunge zur Folge hat, welche sich positiv auf Asthmapatienten auswirkt. Bei diesem Ansatz liegt die Hoffnung auf der Entwicklung neuartiger Therapien – durch die positive Veränderung des Mikrobioms.

Bakterien als Asthmaschutz

Die junge Mikrobiologin Dr. Marie-Claire Arrieta ist Expertin, was die Symbiose aus Mensch und Bakteriengemeinschaft anbelangt. Mit ihrem Team analysierte sie im Rahmen einer Versuchsreihe die Bakterienzusammensetzung im Stuhl von drei Monate alten Säuglingen. In den folgenden Jahren untersuchten sie diese Kinder, um Indizien für das Auftreten von Asthma zu entdecken. Die Daten der beiden Gruppen von Kindern, mit und ohne Symptome, wurden sorgfältig verglichen. Dabei ließ sich ein signifikanter Unterschied feststellen.

Nützlicher Bakterien-Cocktail

Vier bestimmte Bakteriengattungen – Faecalibacterium, Lachnospira, Veillonella und Rothia – waren in der Mikrobiota dieser Kinder in verringerter Anzahl vorhanden. Mit dieser verringerten Menge an Bakterien ging auch eine reduzierte Menge an kurzkettigen Fettsäuren im Darm einher. Letztere werden von den Bakterien des Mikrobioms erzeugt, um die Darmschleimhaut zu pflegen. Im Tierversuch konnte aber festgestellt werden, dass ebenfalls ein Zusammenhang zwischen kurzkettigen Fettsäuren und der Anfälligkeit für Asthma besteht.

Hier kommt die Maus…

Um die Wirksamkeit dieser Kombination aus Bakterienarten zu testen, wurden Gnotobioten genutzt. Das sind Mäuse, die keimfrei aufgezogen wurden und kein eigenes Mikrobiom besitzen. Übertrugen die Forscher das Mikrobiom der asthmaanfälligen Säuglinge auf diese Mäuse, reagierten sie auf Reizungen der Atemwege mit Entzündungen. Wurden die Tiere dagegen mit der Viererkombination aus Faecalibacterien, Lachnospira, Veillonella und Rothia bestückt, blieben diese entzündlichen Reaktionen aus.

Asthmavorbeugung nach der Geburt

Mit diesem Ergebnis erschließt sich eine Möglichkeit, Kinder bereits bei der Geburt mit diesen Bakterienarten zu versorgen, und damit einer späteren Asthmaerkrankung vorzubeugen. Die Wirksamkeit liegt allerdings nur in einem sehr kleinen Zeitfenster vor. Laut Dr. Marie-Claire Arrieta sind die ersten 100 Tage im Leben des Säuglings entscheidend. In dieser Zeit müsste die “Imprägnierung gegen Asthma” erfolgen.

Asthma heilen?

Asthma ist nicht heilbar, zumindest ist dies der momentane Stand der Wissenschaft. Man kann jedoch mit dieser Krankheit ganz gut leben – wenn man die richtigen Medikamente in gut angepasster Dosis nimmt. Im Ärztejargon heißt das “gut eingestellt”. Beim Auftreten von Symptomen, die auf eine Allergie oder auf Asthma hindeuten, ist dringend zu empfehlen, diese ersten Anzeichen ernst zu nehmen und einen Facharzt aufzusuchen. Ein Allergologe oder Lungenfacharzt kann die richtigen Unterscuhungen durchführen und gegebenenfalls sofort eine geeignete Therapie beginnen.

Aus eigener Erfahrung

Mein erster Besuch beim Lungenfacharzt vor wenigen Jahren hatte eine enorme Steigerung meiner Lebensqualität zur Folge. Zum ersten Mal nach zwanzig Jahren mit Asthma war bei mir ein Provokationstest durchgeführt worden (eine schreckliche Quälerei, die leider notwendig ist, um den Grad der Erkrankung und die Medikamentendosis zu ermitteln). Nach der Untersuchung wurde mir ein Medikament zur Langzeittherapie verordnet – das vom Hausarzt verschriebene erwies sich als zu schwach und hatte deshalb kaum Wirkung gezeigt.

Ich lebe nun im Grunde so beschwerdefrei, dass ich mein Asthma kaum noch zur Notiz nehme. Ich treibe regelmäßig Sport und gehe im Urlaub auf lange Wandertouren mit. Ich bin dabei vielleicht etwas kurzatmiger als meine Freunde, das stellt jedoch kaum ein Problem dar. Das Notfallspray brauche ich mittlerweile so selten, dass ich bereits zwei Packungen aus meinem kleinen Vorrat entsorgen musste, weil das Haltbarkeitsdatum seit langem abgelaufen war. Ich verwende es hauptsächlich im Urlaub (die Zimmer sind oft mit Teppichen oder Federbetten ausgestattet) oder beim Putzen, wenn ich mit zu viel Staub in Berührung komme.

Hilfe durch Vorbeugen?

Zumindest für zukünftige Eltern gibt es einen Hoffnungsschimmer: Die Kinderärztin und Allergologin Prof. Dr. Erika von Mutius und ihr Team erforschen die Zusammenhänge zwischen Asthma bei Kindern und dessen Zusammenhang mit dem Mikrobiom. Die Bauernhofstudie lieferte bereits erste vielversprechende Ergebnisse.

Das Leben mit Asthma – ein Erfahrungsbericht

Da ich selbst seit über zwanzig Jahren an Asthma leide, kann ich aus eigener Erfahrung von den Symptomen und Strapazen eines Asthmaanfalls und vom Leben mit Asthma berichten. Meine Form von Asthma ist allergisch bedingt und begann schleichend. Ich wusste jahrelang gar nicht, dass ich Asthma hatte.

Erste Symptome

Als Kind hatte ich keinerlei Allergien. Doch nach und nach begann ich allergisch auf meine Katzen zu reagieren, ohne es jedoch direkt auf diese zurückzuführen. Meine Augen tränten immer öfter und meine Nase lief praktisch unentwegt. Zunächst kam ich gar nicht auf die Idee, dass eine Allergie die Ursache sein könnte, da mein Immunsystem zu dieser Zeit generell sehr schwach und ich dadurch oft erkältet war. Die Lage spitzte sich jedoch immer weiter zu. Ich konnte nur noch bei weit geöffnetem Fenster schlafen, da ich ansonsten oft mitten in der Nacht aufwachte und nur noch rasselnd und pfeifend atmen konnte. Sogar zu diesem Zeitpunkt kam ich noch nicht auf die Idee, ich könne Asthmatiker sein – in unserer Familie hatte noch nie jemand an einer Allergie oder an Asthma gelitten. Aufgrund einiger schlechter Erfahrungen mit Ärzten in meiner Kindheit und Jugend ging ich damals nur zum Arzt, wenn es sich wirklich nicht vermeiden ließ.

Der erste Asthmaanfall

Erst als ich auf einer Feier mit Freunden einen schlimmen Asthmaanfall erlitt, kam die Sache ans Licht. Eine Freundin, die selbst Asthma hatte, gab mir ihren Inhalator und sagte “versuch das, normalerweise sollte es helfen”. Mir war natürlich sehr mulmig – aber der Anfall war so schrecklich, dass ich mir wohl dachte “jetzt ist es auch schon egal”.

Auf der Webseite der Lungenärzte im Netz gibt es nicht nur ausführliche Informationen zu Asthma, sondern bei Interesse auch eine gute Methode, wie man als nicht-Asthmatiker solch einen Anfall nachvollziehen kann: Versuche einfach, für einige Minuten durch einen Strohhalm zu atmen. Was bei diesem Experiment allerdings fehlt, ist die Beklemmung und die Angst, die einen Asthmatiker packt. Du weißt während der Ausführung, dass du deinen Strohhalm jederzeit beiseite legen und das Experiment beenden kannst, der Asthmatiker hat diese Möglichkeit nicht. Als ich jedoch das Asthmaspray meiner Freundin einatmete, dauerte es nur wenige Minuten und der Anfall war vorbei.

Mit Asthma beim Hausarzt

Dies brachte mich dann doch dazu, meinen damaligen Hausarzt aufzusuchen und ihm die Lage und den Versuch mit dem Asthmaspray zu schildern. Es gibt viele gute Hausärzte, die sich redlich um ihre Patienten bemühen, ich möchte daher keinesfalls Hausärzte im Allgemeinen herabwürdigen. Doch die Reaktion meines damaligen Hausarztes war aus meiner heutigen Sicht nahezu fahrlässig. Er zückte das Stetoskop, hörte meine Lunge kurz ab und fragte, welches Spray ich benutzt hätte. Exakt dieses Medikament verschrieb er mir daraufhin ohne weitere Untersuchungen. Zusätzlich verordnete er mir noch ein weiteres Aerosol, das den Wirkstoff Budesonid enthält und zur Langzeittherapie eingesetzt wird. Es soll die Entzündungen der Atemwege und das Anschwellen der Schleimhäute abmildern.

Achtung: Falsche Anwendung

Eine Wirkung konnte ich bei diesem Spray nicht feststellen, doch das “Notfallspray” tat zuverlässig seinen Dienst. Daher wendete ich das Mittel zur Langzeittherapie mehr oder weniger sporadisch an, während ich das Notfallspray mehrmals täglich benutzte, besonders vor dem Einschlafen. Zu den Nebenwirkungen gehören neben Kopfschmerzen auch Entzündungen im Magen-Darm-Bereich.

Wenn ich damals ohne Notfallspray aus dem Haus ging, litt ich bereits unter Angstzuständen, da ein Anfall jederzeit auftreten konnte. Heutzutage nehme ich die richtigen Medikamente in einer gut angepassten Dosierung und lebe praktisch beschwerdefrei. Diesen großen Unterschied kann ein kleiner Besuch beim richtigen Arzt ausmachen.

Asthma und das Mikrobiom

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Tipps zur Besserung

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