Warum werden wir dick?

Fettaufbau, Fettverbrennung und eine Ernährungsbilanz

Eine Frage, die sich kaum jemand stellt

Die meisten Menschen fragen sich nur: Wie kann ich abnehmen? Vorher sollten wir uns allerdings eine andere, interessante Frage stellen: Wie und warum werden wir überhaupt dick?

Wenn man bei Google nach dem Thema “abnehmen” sucht, findet man zahlreiche Einträge. Die Fragen lauten: Wie kann ich schnell abnehmen? Wie nehme ich fünf Kilo ab? Wie kann ich ohne Sport abnehmen? Es ist die verzweifelte, aber sinnlose Suche nach einem Wundermittel, welches uns mühelos und ohne eigenes Zutun möglichst schnell schlank werden lässt. Das Thema gesund abnehmen ist wesentlich weniger gefragt. Dauerhaft abnehmen – ebenfalls ein Ladenhüter.

Die entscheidende Frage, die sich jedoch die wenigsten stellen, ist: Warum werden wir überhaupt dick? Egal bei welchem Thema im Leben, ob Softwareprogrammierung, Finanzen oder Gesundheit – man kann ein Problem nur schwer lösen, wenn man seine Ursache nicht kennt. Die Grundprinzipien sind jedem klar: Verbrauche mehr Energie als du aufnimmst, iss weniger, bewege dich mehr, iss mehr Gemüse,… Ich persönlich schaue jedoch gern ein wenig hinter die Kulissen. Ich bin ein Mensch, der gern begreift, wie Dinge funktionieren. Wenn mir jemand sagt “iss mehr Gemüse”, dann frage ich: Warum? Und warum zum Teufel werden wir überhaupt dick?

Ernährungsbilanz der Deutschen

Die Nationale Verzehrsstudie II (2005 – 2008, 10.000 Teilnehmer bundesweit) ergab einen Anteil von 58,2 % Studienteilnehmern mit Gewichtsproblemen, davon 37,4% übergewichtig  und 20,8% adipös, also stark übergewichtig. In den letzten 20 Jahren nahm die Anzahl an übergewichtigen Deutschen um 39% bei Männern und 44% bei Frauen zu. Vor allem bei den extrem Übergewichtigen und bei Kindern und Jugendlichen zeigte sich eine Steigerung – rund 15 % der untersuchten Kinder und Jugendlichen waren dick.

Die Studie setzte sich auch mit der Ernährung der Deutschen auseinander. Der Anteil an Obst und Gemüse (124 Gramm pro Tag – empfohlen: 400 Gramm pro Tag) in der Nahrung der Deutschen ist zu gering, während der Konsum von Fleisch und anderen tierischen Produkten vor allem bei Männern (156 Gramm pro Tag – empfohlen: 86 Gramm pro Tag) viel zu hoch ist. Auch bei Brot, Fetten und Süßungsmitteln greifen Männer beherzter zu als Frauen. Besonders junge Männer bevorzugen Softdrinks, Säfte und natürlich Bier als Getränk. Die Zufuhr von Ballaststoffen lag deutlich unter den Referenzwerten.

Knapp 30% der Befragten nehmen Nahrungsergänzungsmittel zu sich, obwohl die Vitaminversorgung der Deutschen im Großen und Ganzen den Empfehlungswerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) entspricht – trotz der geringen Obst- und Gemüsezufuhr. Gezielt eingesetzte Werbung sorgt dafür, dass ein nicht vorhandener Bedarf geweckt wird und Ängste entstehen. Unser Sicherheitsbedürfnis sorgt dafür, dass wir lieber einen sicheren finanziellen Schaden (Kosten für Nahrungsergänzungsmittel) in Kauf nehmen als das Risiko, Opfer der zahlreichen Krankheiten zu werden, mit denen uns die Nahrungsergänzungsmittel-Industrie in ihren Werbeanzeigen und Zeitungsartikeln konfrontiert.

Nun wissen wir also, dass wir uns falsch ernähren und deshalb dick werden. Irgendwie haben wir es ja schon immer geahnt, auch diejenigen unter uns, die unter hohem Blutdruck, einem schlechten Immunsystem oder Übergewicht leiden. Den meisten ist klar, dass Heidi Klum ihre Figur eher nicht mit der Gummibärchen- und Burgerdiät erreicht hat. Dass eine unausgeglichene Bilanz zwischen Kalorien und Bewegung zu Übergewicht führt, ist uns ebenfalls klar. Danach aber fängt es an, spannend zu werden. Avocado, Bananen, Nüsse, Vollkornbrot – all diese Lebensmittel haben jede Menge Kalorien und werden dennoch als gesund eingestuft. Da muss also noch mehr sein…

Die ungeliebten Fettzellen

Fettzellen werden auch Adipocyten genannt und sitzen im Bindegewebe. Sie speichern Lipide und sind in der Lage, diese bei Bedarf rasch wieder in den Blutkreislauf abzugeben. Lipide sind eine Verbindung aus Fetten, Cholesterin, Steroidhormonen, fettlöslichen Vitaminen und Wachse in Tröpfchenform.

Nehmen wir Fett mit der Nahrung auf, wird es im Darm vom Enzym Lipase zu mittelkettigen Fettsäuren aufgespalten und kann die Darmwand passieren. Das Fett gelangt über die Pfortader in den Körper. Nicht aufgespaltene, langkettige Fettsäuren und Cholesterin dagegen lagern sich an der Darmwand an, werden dort aufgespalten und gelangen über das Lymphsystem ins Blut.

Die ungeliebten Fettzellen sind ein sinnvoller Bestandteil des menschlichen Körpers, denn in Notzeiten sind sie unsere Vorratsspeicher.  Ohne Fettzellen würde unser gesamter Stoffwechsel nicht funktionieren, denn die meisten lebenswichtigen Vitamine sind fettlöslich. Nehmen wir solche Vitamine auf, so lösen unsere Fettzellen mit Hilfe von Enzymen das gespeicherte Fett auf und geben es zur Aufnahme der fettlöslichen Vitamine frei. Dieser Vorgang wird Fettverbrennung genannt. Fettverbrennung findet auch statt, wenn der Körper zusätzliche Energie aus den Fettzellen benötigt.

Unsere Fettzellen haben aber noch weitere Aufgaben. Sie dienen nicht nur als Vorratsspeicher, sondern bilden auch Botenstoffe und kommunizieren durch sie mit unseren Organen. Einige der Botenstoffe können Entzündungen auslösen oder den Blutdruck nach oben regulieren. Die Fettzellen können Schadstoffe aufnehmen und verhindern, dass diese in die Organe gelangen. Unsere Fettschicht dient uns als Polster, um unsere Organe und unser Äußeres vor Druck oder Stößen zu schützen. Bei Kälte hält sie uns warm.

Ohne Fettzellen könnten wir also gar nicht überleben. Der Körper kann Fett nicht selbst erzeugen, daher muss es über die Nahrung zugeführt werden. Lagern wir allerdings zu viel Energie ein und verbrauchen zu wenig, so vergrößern und vermehren sich unsere Fettzellen – und wir werden dick.

Stark vergrößerte Fettzellen in zu hoher Anzahl überschwemmen den Körper geradezu mit Botenstoffen und bringen den Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht. Der Körper überhört andere wichtige Signale, die ebenfalls durch Botenstoffe vermittelt werden. Das Auslösen von Entzündungen nimmt krankhafte Ausmaße an und führt zur Insulinresistenz als Vorstufe zu Diabetes Typ II. Besonders die Zellen im Bauchfett sind besonders aktiv, was sie gefährlicher macht als die Pölsterchen an Po und Beinen, die uns Frauen das Leben so schwer machen. Darum liest man immer wieder, dass vor allem übermäßig viel Bauchfett schädlich für uns ist.

Fettaufbau

Warum speichert unser Körper Energie in Form von Fett? Fett ist ein perfekter Energieträger, da es bei gleichem Volumen doppelt so viel Energie wie Kohlenhydrate oder Proteine aufnehmen kann. Nehmen wir mehr Energie zu uns als wir verbrauchen, lagert der Körper diese in den Fettzellen ab. Die Fettzellen vergrößern sich dabei. Wenn nötig, kann der Körper allerdings auch neue Fettzellen erzeugen.

Fettzellen können nicht nur Fett, sondern auch Glukose(Zucker) aufnehmen und so ihre eigene Energieversorgung sicherstellen. Insulin hat die ungünstige Eigenschaft, die Aufnahme von Glukose in unsere Fettzellen und den Aufbau von Fettspeichern (Speicherlipiden) zu stimulieren. Ein übermäßiger Insulinschub wird durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel (zum Beispiel durch übermäßige Aufnahme von Kohlenhydraten) ausgelöst. Deshalb funktionieren low carb Diäten gut, denn der Blutzuckerspiegel und damit die Aufnahme von Zucker in die Fettzellen wird niedrig gehalten.

Fettverbrennung

Die Fettverbrennung wird von verschiedenen Hormonen beeinflusst:

Wachstumshormone sorgen dafür, dass unser Körper auch nachts mit Energie versorgt wird, die es aus den Fettzellen gewinnt. “Schlank im Schlaf” ist also durchaus Realität, auch wenn lange nicht so viel Fett abgebaut wird, wie wir es gern hätten.

Glukagon ist ein Produkt der Bauchspeicheldrüse und reguliert mit Hilfe von freigesetzem Fett in Zeiten von Anspannung und Stress den Blutzuckerspiegel des Körpers nach oben. Bei zu viel und dauerhaften Stress ist dies ein Problem.

Glukagon ist der Gegenspieler von Insulin. Dieses ebenfalls in der Bauchspeicheldrüse produzierte Hormon kennen wir im Zusammenhang mit Diabetes Typ II. Seine Aufgabe ist es, den Blutzuckerspiegel zu senken.

Verschiedene Schilddrüsenhormone wie zum Beispiel Trijodthyronin (T3) und Tetrajodthyronin (T4) beeinflussen unseren Energiestoffwechsel, also die Umwandlung von Fetten, Kohlenhydraten und Eiweiß, und das Zellwachstum. Unter anderem steuern sie ebenfalls die Freisetzung von Insulin und den Abbau von Fett.

Auch Adrenalin beschleunigt die Fettverbrennung. Wenn unser Körper sich auf Flucht oder Kampf vorbereitet, stellt er rasch Energie zur Verfügung, die er aus den Fettzellen gewinnt.

Gemüse

…mit reichlich Ballaststoffen

Obst

Süßes oder Saures?

Nüsse

Gesundes Knabbern ohne Reue