Reizdarmsyndrom

Die 5 wichtigsten Tipps zur Besserung

Das Reizdarmsyndrom

Seine Symptome sind fast so vielfältig wie seine möglichen Auslöser. Ein sogenanntes Reizdarmsyndrom macht sich in Form von Krämpfen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung oder Völlegefühl bemerkbar. Mögliche Auslöser sind Stress, Antibiotika oder eine übertriebene Reaktion des Immunsystems auf eigentlich ungefährliche Lebensmittel. Zusammenfassend könnte man also auch ein bisschen zynisch sagen: Wenn der Arzt keinen Rat weiß, dann war der Patient früher noch ein Hypochonder, heute leidet er eben unter dem Reizdarmsyndrom. Wer betroffen ist, hat ein Problem. Er führt ein Leben mit Schmerzen und Einschränkungen, beim Arztbesuch kann jedoch nichts festgestellt werden. Bestenfalls wird der Patient mit ein paar wohlmeinenden Ratschlägen nach Hause geschickt. Schlimmstenfalls versucht der Arzt, das Problem mit Antibiotika zu bekämpfen. Wer sich bereits seit längerer Zeit mit dem Thema Mikrobiom beschäftigt, dem ist klar, dass Antibiotika das Problem nur schlimmer machen. Wie viele andere Zivilisationskrankheiten macht das RDS, das Reizdarmsyndrom, immer mehr Menschen zu schaffen. Warum ist das so? Und warum findet die Medizin trotz modernster Methoden keine richtigen Lösungen?

Du bist nicht allein – aber warum?

Obwohl wir eigentlich alles haben und uns (theoretisch) viel gesünder ernähren als unsere Vorfahren, kennt jeder von uns mindestens einen Menschen mit Darmproblemen – oder leidet selbst darunter. Wie kommt das? Seit vielen Jahren ändern sich unsere Lebensgewohnheiten. Für uns wird alles immer bequemer, sicherer, einfacher, schneller, leckerer. Für unsere Mikroben gilt allerdings das Gegenteil. Sie werden eliminiert, wo es nur geht: Erhitzen von Lebensmitteln, Sagrotan, antibakterielle Seife und Antibiotika befördern nicht nur schädliche Mikroben ins Jenseits, sondern leider auch nützliche. Zum Beispiel solche, die dafür sorgen, dass unsere Darmschleimhaut sich laufend regeneriert und schön dicht und stabil bleibt. Die Artenvielfalt in unseren westlichen Därmen ist bereits erschreckend geschrumpft. Mit der Mikrobiota von Naturvölkern können wir schon seit langer Zeit nicht mehr mithalten. Das Häufchen verbleibender Mikroorganismen in unseren Därmen wird obendrein noch schlecht ernährt. Von unserer ballaststoffarmen Nahrung bleibt nach der Reise durch Magen und Dünndarm kaum etwas übrig, das unsere Darmbakterien noch verwenden könnten. Dementsprechend schlecht geht es uns gesundheitlich, obwohl wir eigentlich in einer Wohlstandsgesellschaft leben.

Darmkrankheiten und die moderne Medizin

Die modernen Methoden, die in der Medizin angewendet werden, sind in Bezug auf unsere Zivilisationskrankheiten oft nicht hilfreich. Bis heute wird der Mensch als eine Art mechanischer Baukasten betrachtet. Funktioniert ein Teil nicht, ersetzt man es – oder entfernt es einfach mal schnell. Oder man bekämpft nicht die Ursache, sondern nur die Symptome einer Krankheit. Im Zweifelsfall wird der Patient nach dem “insert a coin”-Prinzip behandelt und schluckt im Laufe seines Lebens mehr verschiedene Medikamente als die ärmste Laborratte. Aber – die teuren Geräte müssen schließlich genutzt und abbezahlt werden, und für das Verschreiben der richtigen Medikamente wird so mancher Arzt gern ein bisschen auf die Malediven geschickt, wenn man den Gerüchten glauben darf. An beidem kann man nicht direkt unseren Ärzten die Schuld geben, auch wenn ich oft zynische Bemerkungen wie oben mache. Wir alle wachsen innerhalb eines vorgefertigten Systems auf und nehmen seine Gesetze im Normalfall als gegeben hin – was nicht immer falsch ist, aber manchmal eben doch. Mit dem Wissen um das Mikrobiom und den vielen neuen Erkenntnissen, die wir schon haben und die noch auf uns zukommen, wird eines Tages hoffentlich auch die Medizin umdenken und dann in der Lage sein, an den Ursachen für das, was heute einfach Reizdarmsyndrom genannt wird, zu arbeiten. Es wäre schön, wenn wir das noch erleben würden. Bis es soweit ist, kann uns nur einer helfen: Wir selbst.

Was tun?

Unsere Lebensweise ist also nicht die Beste und die Medizin hilft uns auch nicht so recht weiter. Was kannst du also tun, wenn dir die Diagnose “Reizdarmsyndrom” gestellt wird? Diese 5 wichtigen Tipps helfen dir, wieder gesund zu werden.

Tipp 1: Antibiotika vermeiden

Antibiotika sind mittlerweile als Auslöser für diverse Darmerkrankungen identifiziert. Trotzdem werden ausgerechnet diese oft mit Antibiotika behandelt. Allen voran die Dünndarmfehlbesiedelung, die ebenfalls als Auslöser für das Reizdarmsyndrom gilt. Ich bin kein Mediziner. Aber ich bin jemand, der die Dinge gern logisch betrachtet, also lass uns das mal tun:

  • geringe Bakterienvielfalt => Darmerkrankung
  • Darmerkrankung => Antibiotika
  • Antibiotika => geringere Bakterienvielfalt

Die schädlichen Keime werden durch Antibiotika vernichtet, deshalb bringt die Therapie wahrscheinlich in den meisten Fällen eine kurzzeitige Linderung. Aber was kommt danach? Auch die guten Bakterien haben das zeitliche gesegnet und ihr Platz ist erstmal unbesetzt. Wenn Neuer nicht im Tor steht und der Rest des FCB auf der Bank sitzt, reicht schon ein einzelner Gegner, um das Spiel zu verlieren…

Angesichts dieses kleinen Teufelskreises halte ich es nicht für die beste Idee, Darmerkrankungen wie das Reizdarmsyndrom mit Antibiotika zu bekämpfen, auch wenn es erstmal eine naheliegende Lösung ist und das Problem auch kurzzeitig behebt.

Tipp 2: Ernährung langsam optimieren

Wie schon oft – aber immer noch zu selten – erwähnt, das Zauberwort heißt Ballaststoffe! Auch beim Reizdarmsyndrom. Deshalb konzentriere dich darauf und spar dir das Geld für teure Wundermittelchen. Auf meiner Webseite findest du viele Lebensmittel mit hohem Ballaststoffgehalt – Mikrobiom-Superfood. Lass deiner Fantasie freien Lauf und tob dich aus! Man kann in fast jedes Gericht ein paar Ballaststoffe schmuggeln. Wenn du Anregungen brauchst, findest du viele im Mikrobiom-Kochbuch Dinner in the Dark.

Die Zusammensetzung des Mikrobioms ändert sich relativ schnell. Deshalb werden nach kurzer Zeit immer mehr von den guten Bakterien deinen Darm besiedeln und den schlechten hoffentlich einen Tritt in den Allerwertesten verpassen (wo auch immer der bei so einem Stäbchen ist). Trotzdem wirst du vermutlich nicht von heute auf morgen gesund und beschwerdefrei, sondern brauchst Geduld. Gib dem Ansatz einfach Zeit, steigere die Ballaststoffzufuhr immer wieder ein bisschen und warte ab, ob es deinem gereizten Darm besser geht. Achtung: Als ich mit der Umstellung angefangen habe, hatten schon ein paar Teelöffelchen Flohsamen eine ganz unaussprechliche Wirkung, auf die ich jetzt wirklich nicht näher eingehen möchte. Wenn du bisher eher ballaststoffarm gegessen hast, übertreib nicht gleich – deine Bakterien müssen sich erst an die Umstellung gewöhnen.

Tipp 3: Simply relax!

Entspannung ist unglaublich wichtig für unser Mikrobiom. Gerade das Reizdarmsyndrom – oder was auch immer man darunter versteht – ist nicht nur eine reine Erkrankung des Darms. Auch das Mikrobiom ist betroffen, und die Kommunikation zwischen Darm, Gehirn und Mikrobiom funktioniert nicht mehr. Professor Emeran Mayer widmet dem Thema ein ganzes Buch und erklärt uns, warum unsere Psyche einen riesigen Einfluss auf die Gesundheit unseres Darms hat.

Wie schafft man es heutzutage, dem ewigen Stress aus dem Weg zu gehen? Es gibt viele gute Tipps, wie man sich täglich entspannt. Die meisten funktionieren tatsächlich, das Problem ist eher das “Dranbleiben”. Ein wirklich schöner Rat, den ich irgendwo gelesen habe, war: Mach einen Termin für deine Pausen. Ich fand das super. Ich habe Termine für alles Mögliche, und am Ende des Tages stelle ich fest, dass ich zwar alles erledigt habe, aber nicht die winzigste Pause hatte. Also habe ich mir vorgenommen, ab sofort einen Termin für meine Pause zu machen. Mein Partner war auch begeistert. Ich habe es auch geschafft – einen ganzen Tag lang…

Ich bin also wahrscheinlich nicht die beste Referenz, wenn es um das Thema Entspannung geht. Eine Sache hat mir allerdings tatsächlich sehr geholfen, und das sogar nachhaltig: Yoga. Im Yoga-Kurs lernst du richtig tief zu atmen und die Muskeln aktiv zu entspannen. Das lässt sich immer wieder in kleinen Dosen im Alltag unterbringen.

Tipp 4: Darmreinigung?Lieber nicht…

Die Menschheit war schon immer besessen von der Idee, man müsste den Darm reinigen. Wahrscheinlich, weil sein Endprodukt eher unappetitlich ist. Da muss man doch mal hinterherkehren! Die Darmreinigung ist definitiv eine geniale Erfindung und hat ihre Vorteile – nur eben nicht für den Anwender. Der Verkäufer verdient sich dafür eine goldene Nase.

Die Werbung auf einschlägigen Webseiten konfrontiert uns mit dem gesammelten Grauen innerhalb unserer Därme. Was da alles drin sein soll – wow! Schlacken, Giftstoffe, “seltsame Kotbestandteile”, Fäulnisbakterien und deren giftige Stoffwechselprodukte, verhärtete Kot- und/oder Schleimschichten, Hefepilze und vieles mehr – igitt! Wer angesichts dessen nicht sofort einen Dreijahresvorrat bestellt, der ist doch echt nicht mehr zu retten. Das Ganze auch noch komplett natürlich und ohne Ernährungsumstellung! Es ist sehr leicht, das alles zu glauben. Ein ganzer Industriezweig gibt viel Geld dafür aus, uns zu überzeugen. Auch ich bin in der Vergangenheit darauf hereingefallen und habe mich gefragt, wie ich bisher eigentlich ohne monatliche Darmreinigung überleben konnte, bei all dem widerlichen Zeug, das sich da ungefragt in mir ablagert. Heute weiß ich, dass ich nur mein Geld verschwendet habe. Denn unser Darm ist ein absolutes Wunderwerk. Er reinigt sich komplett selbst, kostenlos und zuverlässig. Das Gurgeln, das wir manchmal hören und auch fühlen können, ist nicht immer Hunger. Das ist unser Darm, während er sich ganz brav reinigt. Wir müssen ihm nur zwischen den Mahlzeiten genug Zeit dafür geben. Deshalb ist auch ständiges Naschen zwischendurch nicht besonders gesund. Deshalb: Wenn dir wieder mal jemand unbedingt eine Darmsanierung verkaufen will – klick die Seite einfach weg, du weißt ja jetzt Bescheid.

Tipp 5: Echt kein Scheiß: Die Stuhltransplantation hilft!

Stuhl…was??? Es klingt eklig, ich weiß. Aber es ist ja nicht so, dass man dem Patienten Gabel und Messer in die Hand drückt und das Häufchen des Spenders auf dem Silbertablett serviert. Bei der Fäkaltransplantation wird im ersten Schritt das Mikrobiom des Patienten radikal ausgelöscht. Sozusagen der GAU für seinen Darm. Danach aber wird über eine Sonde die fehlende Mikrobengemeinschaft durch eine neue, gesunde ersetzt. So abgefahren das Ganze klingt – es funktioniert!

“Wie wichtig eine vielfältige Darmmikrobiota für die Gesundheit des Darms ist, zeigt auch die Beobachtung, dass die Dickdarmentzündung schnell heilt, wenn man eine gesunde Darmmikrobiota wiederherstellt. Das ist derzeit am effektivsten durch die Transplantation von Stuhlbakterien eines gesunden Spenders in den Darm des Patienten möglich.”

Emeran Mayer, Das zweite Gehirn, S.27

2012 wurde die erste wissenschaftliche Studie zur Stuhltransplantation abgebrochen. Der Erfolg war so eindeutig nachweisbar, dass die Mediziner es für verantwortungslos hielten, weitere Patienten mit dem Placebo zu behandeln. Von 16 Patienten mit schweren Chlostridiuminfektionen konnten 13 mit der Behandlung praktisch sofort geheilt werden. Bei den drei übrigen wurde die Transplantation mit dem Stuhl eines anderen Spenders wiederholt – zwei von ihnen waren anschließend geheilt. Von schädlichen Nebenwirkungen habe ich bisher übrigens noch nicht gelesen. Wenn also nichts anderes hilft, würde ich sagen: Augen zu und durch…

Gleich loslegen!

Je länger du deinen kranken Darm tapfer erträgst, desto schwerer wird es, ihn wieder zu heilen. Deshalb hier nochmal die 5 Tipps in Kürze zum Durchstarten:

  1. Antibiotika – erstmal sicherstellen, ob es wirklich keine Alternative gibt.
  2. Fang noch heute an, deine Mikroben optimal zu unterstützen. Das Mikrobiom-Kochbuch und die Superfoods auf der MikrobiomInfo-Webseite helfen dir dabei.
  3. Mach dir keinen Stress. Leg einfach mal die Beine hoch und atme ganz in Ruhe tief durch. Ein… und aus…
  4. Zeig den Darmsanierungs-Verkäufern den Stinkefinger. Sollen sie doch ihr Zeug selbst schlucken!
  5. Wenn du alles versucht hast und du trotzdem noch immer Bauchschmerzen, Blähungen, Krämpfe und so weiter hast, informiere dich über die Stuhltransplantation. Offenbar wirkt sie hervorragend.

Andere Leser würden sich sicherlich über einen kleinen Kommentar zu deinen Erfahrungen freuen. Ebenso wie ich! Ich wünsche dir und deinen Mikroben viel Erfolg und Gesundheit!

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