Durch dick und dünn

So wurde ein normalgewichtiges Kind zur moppeligen Erwachsenen

 

Meine Kindheit – vorprogrammiertes Übergewicht

Ich war als Kind zunächst noch ganz schlank. Erst in der Schule, als ich den ganzen Tag sitzen musste, wurde ich langsam etwas dicker. Ich wuchs in den späten Siebzigern und den Achtzigern auf, als sich Eltern noch wenig Gedanken machten, wie man ein Kind vernünftig ernährt. Allerdings hatten wir immerhin noch den Vorteil, dass Fastfood damals noch nicht sehr weit verbreitet war. Viele Mütter waren noch zuhause oder arbeiteten nur in Teilzeit und kochten für die Familie. Tiefkühlpizza & Co waren noch eher die Ausnahme. Und wir waren viel draußen, auch ganz ohne organisierte Bewegung in Vereinen.

Heutzutage ist die Gesellschaft in vielerlei Hinsicht sehr gespalten. Wenn ich mir die Kinder auf der Straße ansehe, habe ich den Eindruck, dass es zu einem Teil mit dem wachsenden Abgrund zwischen arm und reich zusammenhängt. Aber auch mit dem ständigen Angebot an verlockenden, aber ungesunden Lebensmitteln und der schrillen Werbung, die uns täglich verführt, diese zu kaufen. Für Karotten und Blumenkohl wirbt niemand. Die meisten wohnen weit entfernt von den Großeltern, die auf die Kinder aufpassen könnten, also sind die Kinder beim Einkauf dabei. Eltern stehen ständig in Konkurrenz zum aufdringlich und bunt beworbenen Angebot und geben dem Druck ihrer Kinder früher oder später nach, um Stress zu vermeiden.

Bei uns gab es Frühstück nur am Wochenende. Samstags gab es Marmeladenbrote, sonntags Kuchen zum Frühstück. Mittags war ich ab der dritten Klasse bei meinen Großeltern, wo meine Uroma uns mit typisch bayerischer Küche bekochte: Fleisch mit schweren Soßen, dazu Nudeln, Knödel, Kartoffeln und Reis, und Freitags leckere Süßspeisen. Gemüse gab es natürlich auch, sogar aus dem eigenen Garten. Es war allerdings nur eine Beilage, niemals das Hauptgericht. Ich kann mich noch erinnern, als ich später einmal bei meiner Oma kochte und Spinatnudeln servierte. Meine Uroma guckte in den Topf, sah mich mit großen Augen an und fragte mich: “Wo ist denn das Fleisch?”

Im Herbst sollten wir immer die Äpfel vom eigenen Baum essen. Ich mochte die Sorte nicht und wurde als Kind zu einem regelrechten Apfelhasser. Sobald die Äpfel reif waren, gab es nur noch Apfelkuchen (heute: lecker – damals: brrr, schon wieder Äpfel). Nachmittags gab es jeden Tag Kuchen, abends Brote mit Wurst und Käse. Wenn ich bei meiner Oma übernachtete, wurden zum abendlichen Fernsehprogramm noch Tee und Kekse serviert. Unser Standardgetränk war Limonade. Manchmal machte meine Oma mir “Bananenmilch”. Bestehend aus Banane, Zucker und Kondensmilch.

Zuhause und bei den Großeltern hatten wir mehr oder weniger ungeregelten Zugriff auf Süßes. Sobald es im Haus war, achtete niemand mehr darauf, was und wie viel wir davon aßen. Mein Gück war, dass ich schon immer ein kleiner Sparfuchs war. Mein Taschengeld wanderte sofort ins Sparschwein, während mein Bruder seines am Imbiss in der Schule in Wurstsemmeln oder Schokoriegel investierte. Wenn meine Mutter Süßigkeiten einkaufte, aß ich meine niemals sofort, sondern bewahrte sie mir für den ganz besonderen Moment auf, an dem ich richtig, richtig Lust darauf hätte. Wenn der Moment dann kam, erlebte ich oft eine herbe Enttäuschung: Mein jüngerer Bruder hatte meistens innerhalb von ein oder zwei Tagen alles ganz allein aufgefuttert. Sobald die Kindheit mit dem vielen Toben im Garten vorbei war, nahm er zu, und das in weitaus höherem Maße als ich. Mein Bruder ist heute noch stark übergewichtig.

Wenn ich das alles heutzutage betrachte, ist mir vollkommen klar, dass diese Ernährung weit vom Optimum entfernt ist. Kinder sind schwierig, was die Ernährung anbelangt. Aber der hohe Zuckerkonsum in früher Kindheit führt zu einer regelrechten Zuckersucht, die sich im Erwachsenenalter nur schwer wieder überwinden lässt.

Hilfe – Ich, meine Jugend und Sport

In meiner frühen Jugend hatte ich eine schwere Nierenbeckenentzündung, und damit begann mein Leben mit Antibiotika. Ab dieser Zeit unterlag ich hohen Gewichtsschwankungen und führte mit allen Mitteln einen ewigen Kampf gegen das Übergewicht. Manchmal gewann ich, doch der Erfolg war meistens nur von kurzer Dauer. Nulldiät, Suppendiät, Diätpülverchen und Drinks, FDH, Trennkost, Entschlackungskuren, ich probierte alles aus, was schnellen Erfolg versprach. Der allseits bekannte und unbeliebte Jojo-Effekt schlug gnadenlos zu und das Spiel begann von vorn. Für mein Selbstbewusstsein war das natürlich Gift. Die Jungs finden dickliche, unsportliche Mädchen leider nicht so toll, und auch auf der Persönlichkeits-Ebene konnte ich damals leider nicht punkten.

Ich versuchte mich in diversen Sportarten, doch keine davon konnte mich ausreichend begeistern. Bereits als Kind gehörte ich immer zu den Unsportlichen. Der Sportunterricht war für mich keine angenehme Abwechslung zum Schulalltag, sondern das letzte Tüpfelchen auf einem Berg täglicher Demütigungen, die ein unsportliches und leicht moppeliges Kind ohnehin erleiden muss. Wurden Mannschaften gebildet, standen am Schluss nur noch ich und eine andere bedauernswerte Gestalt in der Warteschlange. Sogar der dreibeinige Dackel des Hausmeisters hätte mehr Chance auf eine freiwillige Wahl ins Team gehabt als ich. Völkerball – ein schreckliches Spiel! Ich kann mich noch gut an ein Spiel erinnern – Jungs am Rand gegen uns Mädchen in der Mitte. Ein besonders unsportlicher Junge bekam den Ball und seine Teamkollegen riefen ihm zu “Wirf auf die Fette, die kann sich sowieso nicht bewegen!” (“Die Fette”, das war ich, und selbstverständlich wurde ich auch getroffen). Für mich war Sport immer eine Pflicht, nie ein Vergnügen. Ich quälte mich damals mit ungefähr fünfzehn Jahren im Fitnesscenter und später im Airobic-Kurs. Die Bilanz sind zwei Knie, die seither knacksen und manchmal schmerzen, und die Erkenntnis, dass man den Trainer nur einmal im Leben zu Gesicht bekommt, nämlich vor dem Unterschreiben des Jahresvertrags. Gewicht verlor ich nicht und sportlich wurde ich auch nicht, nur ärmer (damals war der Monatsbeitrag noch wirklich teuer).

Eine Zeitlang war ich extrem dünn, im Alter von ungefähr zwanzig. Damals hatte ich schlimmen Beziehungsstress und aß wochenlang so gut wie nichts mehr, nur ab und zu einen Nougat-Kringel, den mir meine Mutter vom Bäcker mitbrachte. Mein Gewicht sank auf 59 Kilogramm, mein BMI lag zu der Zeit bei 18,6. Mehr als zehn Treppenstufen brachten mich an den Rand der Erschöpfung. Mit einem neuen Freund ging es dann aber später wieder aufwärts – mit dem seelischen Zustand, aber leider ebenso mit dem Gewicht. Abende, die ich zuvor mit Freunden in der Kneipe oder tanzend bis zur Erschöpfung in der Disco verbracht hatte, wechselten zu Abenden vor dem Fernseher bei einem gemütlichen Essen.

Das Gewicht explodiert

Meine schlimmste Gewichtszunahme erfolgte im Jahr 2004 während der Hausbau-Phase. Den ganzen Tag war ich in der Arbeit, danach und am Wochenende blieben noch die Arbeit auf der Baustelle und die zugehörige Organisation. Abends war ich einfach nur erschöpft, müde und sehr, sehr hungrig.

Damals wohnte ich noch in einem Appartment im Haus meiner Mutter, ohne eigene Küche und mit nur einer einzigen Kochplatte. Im Normalfall gab es also ein Abendessen, welches ich in nur einem einzigen Topf zubereiten konnte. Schnell sollte es natürlich auch noch gehen. Was lag also näher, als einen großen Berg Nudeln zu kochen und dazu eine Soße mit einem der handelsüblichen Gewürzmischungs-Päckchen und viel Sahne zusammenzurühren? Abwechslung bot noch der Pizzaservice oder der Besuch im Restaurant. Nach dem Abendessen wurde eine Schachtel mit Süßigkeiten und Snacks auf den Couchtisch gestellt. Ein Schokoriegel, um die Lust auf Süßes zu befriedigen, nach dem Zuckerschub noch ein paar Erdnussflips und dann wieder ein paar Gummibärchen.

Am Ende wog ich fast 80 Kilogramm. Das ist trotz meiner Größe von 1,78 Metern zu viel – insbesondere wenn man bedenkt, dass ich vollkommen unsportlich war. Ich war zwar nicht richtig dick, so wie man es oft auf Fotos zum Thema Übergewicht sehen kann. Aber ich war dennoch übergewichtig und eigentlich nie gesund. Ständig war ich müde, blass und erkältet, hatte keinerlei Ausdauer, wenig Antrieb und chronische Kopfschmerzen. Ich fühlte mich nicht mehr wohl, ich fand mich absolut unattraktiv, und mein ohnehin schon schwaches Selbstbewußtsein schrumpfte auf ein Minimum.

Umstellung und Erfolg

Das war für mich der Auslöser, endlich dauerhaft etwas in meinem Leben zu verändern.

Wenn du dir jetzt erhoffst, ich hätte ein Wundermittel gefunden, um in zehn Tagen abzunehmen, muss ich dich leider enttäuschen. Der Weg war lang und oft nicht ganz einfach. Ich habe mit 30 Jahren begonnen und mich im Lauf der Zeit immer wieder weiterentwickelt – ein Prozess, der bei mir bis ans Lebensende dauern wird. Meine Partnerschaft mit meinem Mikrobiom ist ein Teil dieses Lernprozesses. Von allem Wissen, das ich mir im Lauf der Jahre über Ernährung angeeignet habe, sind die Informationen über das Mikrobiom am interessantesten. Ich bin sicher, dass in diesem Bereich ein schier unglaubliches Potenzial schlummert, das in den nächsten Jahren und Jahrzehnten immer mehr genutzt werden kann.

Immer wieder finde ich neue Informationen über Gesundheit und Ernährung und weitere Wege zur Optimierung. Nach Urlauben oder vielen Feiertagen habe auch ich immer wieder ein paar Pfündchen mehr auf den Rippen. Manchmal kann ich mich nicht aufraffen, Sport zu treiben oder aus dem Haus zu gehen und bleibe lieber gemütlich vor dem PC oder dem Fernseher sitzen. Ich werde keine Profisportlerin und kein Topmodel werden, sondern bleibe ein Mensch mit Fehlern und Schwächen, aber auch das kann ich zunehmend mehr akzeptieren. Ich werde sicherlich niemals so perfekt straff und gesund wie Menschen ohne meine Vorgeschichte. Aber ich fühle mich wesentlich fitter, gesünder und wohler in meiner Haut. Dazu brauche ich keine Diätmittelchen und ich muss mich nicht fortwährend mit Essen quälen, das nicht schmeckt. Ich habe Spaß, esse gern und mit dem Sport habe ich mich mittlerweile auch angefreundet.

Ich möchte dir und anderen Menschen Mut machen. Egal ob zu dick, zu dünn oder zu krank. Mit etwas Hilfe wird auch dein Mikrobiom dich unterstützen. Wenn du bereit bist, den schnellen Erfolg gegen eine dauerhafte Investition in deine Gesundheit zu tauschen, interessiert dich bestimmt, wie ich es geschafft habe.

Warum werden wir dick?

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…macht die Umstellung leichter